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Ätherische Öle: von der Pflanze in die Flasche

Wenn Sie eine Flasche gutes ätherisches Öl öffnen, ist der Duft nicht nur angenehm – er ist lebendig. Frische Orange duftet wie eine gerade geschälte Frucht, Nadelhölzer wie ein Wald nach dem Regen. Dasselbe Öl kann diese Frische jedoch nach einigen Monaten am falschen Ort verlieren. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie ätherische Öle entstehen, woher unsere kommen, woran Sie Qualität erkennen und warum wir im Aladdin Perfume House lieber in kleineren Chargen arbeiten als mit großen Vorräten.
Was ein ätherisches Öl eigentlich ist
Ein ätherisches Öl ist ein Gemisch flüchtiger Duftstoffe, die eine Pflanze in Blättern, Blüten, Fruchtschalen, Holz oder Harz speichert. Trotz des Namens ist es kein „Öl“ im küchentechnischen Sinn: Es enthält keine Fette, hinterlässt daher keinen Fettfleck auf Papier, sondern verdunstet.
Die internationale Norm ISO 9235 zählt nur ein Erzeugnis zu den ätherischen Ölen, das durch Wasserdampfdestillation, Trockendestillation oder mechanisches Pressen von Zitrusschalen gewonnen wird. Mit Lösungsmitteln (Absolues, z. B. Jasmin) oder mit Kohlendioxid (CO₂-Extrakte) gewonnene Duftextrakte können hervorragend sein, sind im strengen Sinn aber keine ätherischen Öle.
Wie sie gewonnen werden

Wasserdampfdestillation
Dies ist die häufigste Methode. Das Pflanzenmaterial – Blätter, Blüten, Holz oder Harz – wird in eine Destillationsanlage gegeben, durch die heißer Dampf geleitet wird. Der Dampf löst die flüchtigen Duftstoffe aus den Pflanzenzellen und trägt sie mit sich. Im Kühler kondensieren Dampf und Öl, und im Auffanggefäß trennt sich das Öl, das sich nicht mit Wasser mischt, vom Wasser. Das zurückbleibende Wasser ist das Hydrolat – ein zartes Blüten- oder Kräuterwasser.
Die Destillation erfordert Erfahrung. Ist sie zu kurz, werden die schwereren, tieferen Noten nicht erfasst; ist sie zu lang und zu heiß, kann der Duft „verkochen“. Holz und Harze werden viel länger destilliert als Blätter und Blüten. So entstehen die meisten unserer Öle: von Teebaum und Eukalyptus bis Zeder, Weihrauch und Geranie.
Kaltpressung der Schale
Zitrusöle – Orange, Mandarine, Zitrone, Grapefruit und Bergamotte – sind in winzigen Öldrüsen in der Schale gespeichert. Diese werden durch mechanisches Pressen ohne Wärme geöffnet, anschließend wird das Öl in einer Zentrifuge von Saft und Wasser getrennt. Da keine Wärme im Spiel ist, bleibt der Duft saftig und spritzig – genau so, wie wir ihn von frisch geschälten Früchten kennen.
Ein großer Teil des weltweiten Orangenöls entsteht neben dem Orangensaft, vor allem in Brasilien. Deshalb gehört Orangenöl zu den günstigsten ätherischen Ölen – was nicht heißt, dass es weniger wert ist.
Wie viel Pflanze in einer Flasche steckt
Die Ausbeute ist von Pflanze zu Pflanze sehr unterschiedlich. 100 kg Eukalyptusblätter ergeben 3 bis 4 kg Öl, die gleiche Menge Weihrauchharz nur etwa 0,4 kg. Die Rose ist ein Extremfall: Für ein Kilogramm Öl braucht man 3,5 bis 5 Tonnen Blütenblätter.

Was sagt uns das über den Preis?
Der Preis eines ätherischen Öls spiegelt in erster Linie wider, wie viel Pflanzenmaterial und Arbeit darin stecken – nicht unbedingt seine Qualität. Ein günstiges Öl ist nicht automatisch schlecht. Ein auffällig billiges „teures“ Öl wie Rose oder Weihrauch ist jedoch ein Grund zur Vorsicht.
Woher unsere Öle kommen
Dieselbe Pflanze duftet anders, wenn sie auf der anderen Seite der Welt wächst. Klima, Höhenlage, Boden und Erntezeitpunkt beeinflussen die Zusammensetzung des Öls, deshalb geben wir bei jedem Öl den lateinischen Namen und das Herkunftsland an. Die meisten unserer Öle stammen aus Gegenden, in denen die Pflanze traditionell gedeiht: Teebaum aus Australien, wo er ursprünglich herkommt, Lavendel aus Frankreich, Zimt aus Sri Lanka, Ylang-Ylang von den Komoren, Weihrauch aus Somalia und Wacholder aus den Bergen Nordmazedoniens.
Bereits erhältlich
| Öl | Lateinischer Name | Herkunftsland | Pflanzenteil | Gewinnung |
|---|---|---|---|---|
| Teebaum | Melaleuca alternifolia | Australien | Blätter und Zweige | Wasserdampfdestillation |
| Zitronengras | Cymbopogon citratus | Guatemala | Blätter | Wasserdampfdestillation |
| Eukalyptus | Eucalyptus globulus | China | Blätter und Zweige | Wasserdampfdestillation |
| Bergamotte | Citrus bergamia | Elfenbeinküste | Fruchtschale | Kaltpressung |
| Süßorange | Citrus sinensis | Brasilien | Fruchtschale | Kaltpressung |
| Virginia-Zeder | Juniperus virginiana | USA | Holz | Wasserdampfdestillation |
| Weihrauch | Boswellia carterii | Somalia | Harz | Wasserdampfdestillation |
| Geranie | Pelargonium graveolens | Ägypten | Blätter, Stängel, Blüten | Wasserdampfdestillation |
Demnächst erhältlich
| Öl | Lateinischer Name | Herkunftsland | Pflanzenteil | Gewinnung |
|---|---|---|---|---|
| Lavendel | Lavandula angustifolia | Frankreich | Blütenspitzen | Wasserdampfdestillation |
| Pfefferminze | Mentha × piperita | Indien | blühendes Kraut | Wasserdampfdestillation |
| Rosmarin | Rosmarinus officinalis | Spanien | Blütenspitzen | Wasserdampfdestillation |
| Roter Thymian | Thymus vulgaris | Spanien | Blätter | Wasserdampfdestillation |
| Zitrone | Citrus limon | Italien | Fruchtschale | Kaltpressung |
| Mandarine | Citrus nobilis | Italien | Fruchtschale | Kaltpressung |
| Grapefruit | Citrus paradisi | USA | Fruchtschale | Kaltpressung |
| Zimt (Blatt) | Cinnamomum zeylanicum | Sri Lanka | Blätter und Zweige | Wasserdampfdestillation |
| Gewürznelke (Blatt) | Eugenia caryophyllata | Madagaskar | Blätter | Wasserdampfdestillation |
| Sternanis | Illicium verum | China | Früchte | Wasserdampfdestillation |
| Waldkiefer | Pinus sylvestris | Sibirien | Nadeln | Destillation |
| Kanadische Hemlocktanne | Tsuga canadensis | USA | Nadeln und Zweige | Wasserdampfdestillation |
| Wacholder | Juniperus communis | Nordmazedonien | Beeren | Wasserdampfdestillation |
| Patchouli | Pogostemon cablin | Indonesien | getrocknete Blätter | Wasserdampfdestillation |
| Ylang-Ylang | Cananga odorata | Komoren | Blüten | Wasserdampfdestillation |
Weihrauch wird bald auch als 100 % naturreines ätherisches Öl erhältlich sein. Die bisherige 5%ige Mischung aus Weihrauch in Traubenkernöl bleibt weiterhin bei den Duftmischungen erhältlich.
Woran Sie ein hochwertiges ätherisches Öl erkennen
- Lateinischer Name und Herkunftsland. „Lavendel“ kann echter Lavendel (Lavandula angustifolia) oder der günstigere Lavandin sein – Duft und Zusammensetzung unterscheiden sich. Ohne lateinischen Namen wissen Sie nicht, was Sie kaufen.
- Eine Pflanze, 100 %. Keine synthetischen Duftstoffe, kein „Strecken“ mit billigeren Ölen oder Trägeröl. Ist ein Öl verdünnt, muss das klar angegeben sein – wie bei unserer 5%igen Weihrauchmischung.
- Dunkles Glas. Licht beschleunigt die Alterung des Öls, und ätherische Öle greifen zudem manche Kunststoffe an. Braunglas ist eine Grundvoraussetzung.
- Korrekte Kennzeichnung. Reine ätherische Öle sind konzentrierte Stoffe und müssen daher ein Etikett gemäß CLP-Verordnung tragen: Piktogramme, Gefahren- und Sicherheitshinweise sowie Angaben zum Lieferanten. Ein Öl ohne diese Angaben ist ein Warnsignal.
- Chargennummer (LOT) und Haltbarkeitsdatum. Sie ermöglichen die Rückverfolgbarkeit von der Flasche bis zur Quelle.
- Internationale Normen. Für die meisten wichtigeren Öle gibt es ISO-Normen, die die Grenzen festlegen, innerhalb derer die Zusammensetzung liegen muss – zum Beispiel ISO 4730 für Teebaum.
Mythos: „therapeutische Qualität“
Die Bezeichnung „therapeutic grade“ ist nicht offiziell. Es ist ein Marketingbegriff ohne unabhängige Norm oder Kontrolle. Lateinischer Name, Herkunft, Chargennummer und ein korrektes Etikett sagen Ihnen viel mehr.
Frische – was man auf dem Etikett nicht sieht
Ein ätherisches Öl bleibt nicht gleich. Sobald es mit Sauerstoff in Berührung kommt, beginnt es sich langsam zu verändern, Wärme und Licht beschleunigen das. Am schnellsten oxidieren Öle mit vielen leichten Terpenen – vor allem Zitrusöle und Nadelholzöle.
Es verändert sich nicht nur der Duft, der seine Spritzigkeit verliert und scharf oder „terpentinartig“ wird. Bei der Oxidation bilden manche Bestandteile, etwa Limonen und Linalool, Hydroperoxide, die deutlich stärkere Hautallergene sind als die Ausgangsstoffe. Ein altes, oxidiertes Öl ist daher schlechter für den Duft und auch weniger hautfreundlich.
Es gibt auch Ausnahmen. Patchouli und ähnliche holzige und harzige Öle können bei richtiger Lagerung mit der Zeit sogar tiefer und runder werden – ähnlich wie ein guter Wein.
Warum Massenproduktion nicht immer ein Vorteil ist
Große Marken kaufen Öl in Fässern zu mehreren hundert Kilogramm auf einmal. Das Öl durchläuft dann eine lange Kette: von der Destillerie zum Großhändler, zur Abfüllung, ins Zentrallager, in den Laden und schließlich ins Regal, oft unter starker Beleuchtung und bei Raumtemperatur oder darüber. Jedes Öffnen eines Fasses und jeder Tag in der Wärme bedeutet etwas mehr Sauerstoff und etwas weniger Frische. Der Kunde sieht das der Flasche nicht an.
Wie wir es machen
- Kleinere Mengen. Wir kaufen Öle in Mengen, die wir in angemessener Zeit verbrauchen können, statt große Vorräte anzulegen.
- Abgefüllt in Slowenien. Wir füllen die Flaschen selbst ab, in kleineren Chargen, damit das Öl nicht lange in halbleeren Behältern steht.
- Braunglas und guter Verschluss. Von der Abfüllung bis zu Ihnen nach Hause ist das Öl vor Licht und Luft geschützt.
- Rückverfolgbarkeit. Jede Charge hat ihre eigene LOT-Nummer, die mit der Charge des Herstellers verknüpft ist, sodass wir jede Flasche bis zur Quelle zurückverfolgen können.
- Offene Karten. Das Etikett mit allen Sicherheitsangaben können Sie auf der Produktseite ansehen, noch bevor Sie das Öl kaufen.
Wie Sie Öl zu Hause aufbewahren
- Verschließen Sie die Flasche direkt nach Gebrauch gut.
- Bewahren Sie sie an einem dunklen, kühlen Ort auf – nicht auf der Fensterbank, nicht neben der Heizung und nicht im Badezimmer.
- Weniger Luft in der Flasche bedeutet langsamere Oxidation. Deshalb ist eine kleinere Flasche, die Sie schneller aufbrauchen, oft die bessere Wahl als eine große, die Sie monatelang öffnen.
- Verbrauchen Sie Zitrus- und Nadelholzöle zuerst. Im Kühlschrank, in einem geschlossenen Behälter und getrennt von Lebensmitteln, bleiben sie länger frisch.
- Sternanis kann bei niedrigeren Temperaturen fest werden oder kristallisieren. Das ist kein Mangel – bei Raumtemperatur wird das Öl wieder flüssig.
- Bewahren Sie Öle immer außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf.
Düfte im Jahreslauf
Der Herbst bringt warme, holzige und erdige Düfte: Zeder, Patchouli, Rosmarin und Zitronengras.
Der Dezember duftet nach Orange, Mandarine, Zimt, Nelke und Sternanis, nach Nadelwald – Waldkiefer, Hemlocktanne und Wacholder – und nach Weihrauch.
Der Frühling verlangt nach Frische: Zitrone, Grapefruit, Bergamotte, Lavendel, Pfefferminze, Geranie und blumiges Ylang-Ylang.
Einige einfache Mischungen für einen Ultraschall-Diffuser (auf 100 ml Wasser)
- Festlicher Abend: 3 Tropfen Süßorange, 1 Tropfen Zimt, 1 Tropfen Nelke
- Winterwald: 2 Tropfen Waldkiefer, 2 Tropfen Hemlocktanne, 1 Tropfen Wacholder
- Herbstliche Geborgenheit: 3 Tropfen Virginia-Zeder, 1 Tropfen Patchouli, 1 Tropfen Orange
- Frühlingsmorgen: 3 Tropfen Zitrone, 2 Tropfen Grapefruit, 1 Tropfen Pfefferminze
Zimt und Nelke sind sehr intensiv, dosieren Sie sie daher sparsam. Beginnen Sie mit weniger Tropfen und geben Sie bei Bedarf mehr hinzu.
Weniger, dafür frisch
Ein gutes ätherisches Öl ist nicht unbedingt das aus der größten Fabrik oder mit dem lautesten Etikett. Es ist das mit klarer Herkunft, korrektem Etikett und das frisch bei Ihnen ankommt. Deshalb füllen wir lieber weniger und dafür öfter ab – damit der Duft beim Öffnen der Flasche so bleibt, wie ihn die Pflanze gegeben hat.
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Ätherische Öle sind nicht zur Einnahme bestimmt und dürfen nicht unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Sie sind keine Arzneimittel und ersetzen keinen ärztlichen Rat. Lesen Sie vor der Anwendung die Warnhinweise auf dem Etikett.